Han war gerade in die zweite Klasse gekommen, als wir uns zum Lesen trafen, ein sehr kleines, sehr zartes vietnamesisches Mädchen, flink, durchaus mit Durchsetzungsvermögen.
Wenn ich anfangs in den Hort kam, um sie zum Lesen abzuholen, spielte sie selbstvergessen auf dem Boden mit Legosteinen oder Playmobilfiguren und konnte sich nur schwer losreißen. Ich kam mir wie ein Störenfried vor. Dann rannte sie vor mir her zum Klassenraum, dort angekommen kam fast immer die Frage: Was spielen wir heute?
Ich merkte schnell, die Konzentration auf einen vorgelesenen Text war kurz, Han gähnte dann demonstrativ und mochte nicht mehr zuhören.
Ich habe mir dann Bilderbücher besorgt und mit Han angesehen, viel mit ihr darüber gesprochen, vorgelesen. Wir sind immer von den Bildern ausgegangen: wer ist da, was macht er, wo ist er gerade, wie sieht er aus, was glaubst du, hat er vor etc., die Fragen werden dann ja vom Text beantwortet.
Das miteinander Sprechen ist eine gute Vorbereitung zum Vorlesen und ein Bilderbuch ein guter Wortschatztrainer.
Im Austausch über ein Bilderbuch erfährt man viel über den Wortschatz des Kindes: kann es alles benennen, was es da sieht, oder hapert es an einem Begriff, der zum Verständnis wichtig ist?
Wenn wir dann ein Buch vorgelesen hatten, habe ich Han gefragt, welche Seite daraus sie mir vorlesen möchte, und vielleicht noch eine? Einmal hat sie das ganze (Bilder-) Buch vorgelesen.
Es gibt wunderschöne Bilderbücher, die ich alle bisher auch nicht kannte und erst für und mit Han entdeckt habe. Höhepunkte für uns waren: „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ und „Fünfter sein“ von Ernst Jandl, das über ein Wartezimmer eines Spielzeugdoktors erzählt.
Ich hatte mich schon darauf gefreut, nach den Bilderbüchern mit Han „Das große Buch von Frosch und Kröte“ zu lesen, doch nun ist sie plötzlich aus Hamburg weggezogen und ich warte auf ein neues Lesekind, mein drittes.

Susanne Schebesch, Mentorin

 

Mit meinem Lesekind ist es eine überaus erfreuliche Zusammenarbeit und wir erobern uns die Buchstabenwelt, die Schrift und alles Geschriebene um uns herum nach und nach. Am schönsten ist es aber, wenn ich mein Lesekind spielend auf dem Schulhof antreffe, sie eigentlich lieber weiterspielen möchte und wir dann - weil es für sie  schon so zur Normalität mit uns beiden geworden ist -  doch ganz wunderbar bis zu anderthalb Stunden beisammen sind und dabei "klönen" und so ganz "nebenbei" ganz viel schaffen. Sie erzählt stolz, dass sie nun auch zuhause liest. Auch der Theaterbesuch hat das Vertrauen zwischen uns noch größer werden lassen. Dafür und für die Vermittlung der Patenschaft herzlichen Dank!
F.V., Mentorin

 

„Heute hat Alina* nach dem Lesen ganz erstaunt zu mir gesagt: „Ich bin ja viel besser geworden!“ Dann noch ein schnelles: „Tschüss, ich freu mich schon auf nächste Woche!“ Und mein Tag geht heute nicht nur mit Sonne vom Himmel zu Ende.
S. E.,  Mentorin

 

Bis jetzt habe ich 6 Lese-Stunden mit Nesrin* verbracht. Es ist eine Freude mit ihr zu arbeiten.
Anfangs scheu, jetzt sehr aktiv und kreativ, machen wir Schreibspiele und Rätsel zur Wortschatzerweiterung.
Nesrins Familie war in den Ferien in Paris zu einer Familienhochzeit. Ich hatte Nesrin anhand eines Reiseführeres vorbereitet. Am Dienstag erzählte sie zusammenhängend von Ausflügen.
Jetzt hat Nesrin sich für Paul Maars „Das Sams“ entschieden. Sie hat gelernt, was Satzzeichen bedeuten und liest etwas melodischer.
Ich danke Ihnen für die Vermittlung -
R.B., Mentorin

*Namen geändert